Beyond Technique Lehrgang mit Philipp Wolf in Berg

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Am Samstag den 28. September 2019 fand in Berg der Beyond Techique Lehrgang mit Philipp Wolf statt. Mit 60 Teilnehmern aus ganz Deutschland: Berlin, Dresden, Hamburg, Würzburg, Freiburg, Mainz, München, Ulm, Holzgerlingen und der ganzen Oberpfalz war die Halle gut gefüllt. Joshua, der jüngste Teilnehmer war 11, der älteste 65 Jahre alt und sie vertraten neben Modern Arnis ganz unterschiedliche Stilrichtungen: Karate, Brazilian Jiu-Jitsu, Judo, Ju-Jutsu, Kung Fu usw.

Philipp Wolf ist die 750 km aus Neustadt/Holstein an der Ostsee angereist und seine Graduierungen sprechen bekanntermaßen für sich. Er ist Facharzt für Physikalische & Rehabilitative Medizin, Sportmedizin und Akupunktur sowie hochgraduierter Kampfsportler im Modern Arnis (5. Dan), Ju-Jutsu (5. Dan), Judo (3. Dan), Gracie/Brazilian Jiu-Jitsu(Blackbelt) uvm.

Das Thema unseres Lehrgangs waren Hebeltechniken und daher fragte Philipp Wolf die Teilnehmer zunächst, was denn eigentlich ein Hebel sei. Und so wurden die verschiedenen Definitionen aus Physik, Medizin, Alltag und Kampfsport besprochen, bis eine einheitliche Definition feststand.

Die nächste Frage zielte auf das warum ab und die Anwendungen von Hebeltechniken sind sehr vielseitig. Bei Polizei und Sicherheitskräften geht es in der Regel um das verletzungsfreie Festlegen und Kontrollieren von aggressiven Personen. Im sportlichen Wettkampf wie im Judo oder Brazilian Jiu-Jitsu werden Hebeltechniken als Submission eingesetzt, um den Gegner zur Aufgabe zu zwingen. Auch hierbei soll der sportliche Gegner nicht verletzt werden. In Selbstverteidigungssituationen muss auf das verletzungsfreie Hebeln gegenüber dem Angreifer weniger Rücksicht genommen werden, hier ist das Ziel, am Abend gesund mit seiner Familie zusammen sein zu können.

Danach wurde es richtig spannend. Jedes relevante Gelenk von den Fingerspitzen bis zum Fuß wurde detailliert betrachtet und besprochen. Wie ist es anatomisch aufgebaut und wie nennt man das Gelenk eigentlich. Welche Funktion haben die umliegenden Bänder, Gelenkkapsel, welche Muskeln und Sehnen bewegen das Gelenk und in welche Richtung kann man es eigentlich bewegen. Spannend war auch der Vergleich der Beweglichkeit unterschiedlicher Teilnehmer. Während einige schon recht steif im Handgelenk waren konnten insbesondere die jüngeren Teilnehmer Ihre Finger im Handgelenk fast bis zum Unterarm überstrecken.

Nachdem der grundlegende Aufbau von Gelenken besprochen war, wurden Hebel neurologisch betrachtet und es ging um die Frage, warum ein Hebel eigentlich weh tut und was Schmerz eigentlich ist. Jede Struktur im Körper des Menschen hat mehr oder weniger Schmerzrezeptoren. Die Teilnehmer erfuhren, wo sehr viele existieren und dass z.B. im Knochen selbst keine relevanten Rezeptoren vorhanden sind. Wie der Schmerz durch die Nervenbahnen transportiert wird und wann das Signal bis zum Gehirn oder als monosynaptischer Reflex nur bis zum Rückenmark geht und Schutzreflexe auslöst.

In der medizinischen Betrachtung ging es nun um die möglichen Folgen von Hebeln im Training und in Selbstverteidigungssituationen. Welche Verletzungen können entstehen, wie können diese im Training verhindert werden und was sollte man tun, wenn doch etwas passiert. Auch die rechtliche Absicherung für Trainer wurde angesprochen, so dass nun alle Teilnehmer auf dem aktuellen Stand sind.

Im Praxisteil wurden alle besprochenen Hebel intensiv am Partner geübt. Zunächst wurde sehr technisch mit einem kooperativem Partner trainiert, so dass das neue Wissen ausprobiert werden könnte. Auch ging es um die Frage, wie ich eigentlich zum Hebel komme. Wie kann ich die Distanz zu meinem Trainingspartner überwinden, um Kontakt zum Gelenk aufnehmen zu können und wie positioniere ich mich ideal um mein Gleichgewicht zu halten und das des Gegenübers zu brechen.

Mit der Zeit wurden die angebotenen Bewegungen immer komplexer. Die Hebel wurden verkettet und vom Partner gekontert, die Bedingungen für die Teilnehmer ständig erschwert bis das Training letztendlich in einem freien aber kontrolliertem Sparring/Randori seinen Höhepunkt fand.

+22

Nach dem Lehrgang sind wir zum Thai Orchid nach Neumarkt gefahren und haben uns ein gemütliches und sehr leckeres Abendessen gegönnt. Die anschließende Rückfahrt zum Hotel und zur Halle (für die Hallenübernachter) wurde irgendwie fehlgeleitet und schon standen 17 Leute in der Halle mit einem Stock bereit und es wurde von knapp 22:30 bis 0:30 nochmal spontan trainiert. Was für ein riesen Spaß!

Am Sonntag waren wir dann in unserer Stammturnhalle in Sindlbach und haben uns mit den Wurzeln des Modern Arnis - dem Balintawak beschäftigt. Stets den Vergleich zum Modern Arnis suchend haben wir die Basics geübt und analysiert, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es und besonders das warum betrachtet. Warum macht man es in diesem Stil so und im Modern Arnis so. Das hat allen ein tieferes Verständnis gebracht und auch eine gelegentlich aufkommende dogmatische Betrachtung aufgelockert. Auch der Sonntag ging leider viel zu schnell vorbei.

Für mich war das Wochenende ein absolutes Highlight in diesem Jahr. Philipp ist ein fantastischer Lehrer und Trainer. Sein Fachwissen gibt er gerne und detailliert weiter und beantwortet alle Fragen ausführlich und geduldig. Vielen Dank für deinen Besuch bei uns in Berg! Ich würde mich sehr freuen, wenn wir den nächsten Beyond Lehrgang mit Dir in Berg angehen könnten! Vielen Dank auch an alle, die beim Aufbau und organisieren geholfen haben! Ohne euch geht es nicht - vielen Dank!

Sophie Aldorf aus Freystadt schreibt:
Der Lehrgang mit Philipp Wolf am letzten Wochenende war sehr interessant und vielschichtig.
Am Samstag waren wir in der neuen und großen Halle in Berg, dort hielt er sein Seminar „Beyond Technique“ in dem er uns verschiedene Hebel aus medizinischer Sicht zeigte und erklärte. Am Anfang gab es erst einmal eine knapp dreistündige PowerPoint Präsentation bevor es zum Praxisteil überging. Wir lernten warum ein Hebel wie funktioniert und noch viel wichtiger, was ein Hebel überhaupt ist. Hier war es natürlich toll, dass er als Sportarzt nochmal ein anderes Verständnis von der Materie an sich hatte und uns so wirklich alles erklärt und erzählt hat.
Bei jeder Frage die aufkam, nahm er sich Zeit um eine gute und verständliche Antwort zu geben. Natürlich gab es auch den ein oder anderen Witz, was das Zuhören deutlich einfacher machte.
Als es dann in den Praxisteil überging gab es natürlich, wie das eben bei Hebeln so ist, viele schmerzverzehrte Gesichter aber wir hatten trotzdem alle Spaß!
Für Speis und Trank sorgte unser tolles Team in den Pausen.

Tobias Teller aus Neumarkt schreibt:
Der Lehrgang "Beyond Technique" war absolute Klasse. Philipp hat uns nicht nur gezeigt wie "Hebel" richtig anzusetzen und auszuführen sind, er hat auch auf allen erdenklichen Ebenen erklärt warum sie funktionieren. Auch der Arnis Lehrgang am Sonntag war super und ich habe viel mitnehmen können, um meine Technik zu verbessern. Besonders beeindruckt hat mich das Philipp zu allen aufgekommenen Fragen immer eine absolut plausible Antwort gegeben hat, wobei er nicht nur die sportliche sondern auch stets die medizinische Seite beleuchtet hat.

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